Es gibt diesen einen Moment. Die Sonne ist weg, das Ankerlicht spiegelt sich im schwarzen Wasser, und alle sitzen im Cockpit und schauen auf denselben dunklen Kegel. Dann, oben am Krater, ein rotes Aufleuchten — erst zaghaft, dann eine Fontäne aus glühenden Brocken, die lautlos in den Nachthimmel steigt. Niemand sagt mehr etwas. Das ist der Stromboli, und dafür segelt man in die Äolischen Inseln.
Sieben Inseln, nördlich vor Sizilien ins Tyrrhenische Meer gestreut, alle vulkanischen Ursprungs, seit 2000 UNESCO-Welterbe. Zwischen ihnen liegen kurze Schläge von zwei bis vier Stunden — genug Segelzeit, um die Maschine auszumachen und den Wind zu spüren, kurz genug, um am Nachmittag längst vor Anker zu liegen, zu schwimmen und an Land zu gehen. Es ist ein Revier der Gegensätze: dampfende Fumarolen und glasklare Buchten, mondäne Gassen auf Panarea und die raue Einsamkeit von Filicudi, Malvasia-Wein auf Salina und schwarzer Lavastrand auf Vulcano.
Dieser Bericht ist kein Prospekt. Es ist die Route, die wir wirklich gesegelt sind — mit den Stopps, die sich gelohnt haben, den ehrlichen Kosten und dem Wissen, das man nur an Bord mitbekommt.
Warum gerade diese Wochen
Das Revier hat eine kurze Idealsaison, und die liegt nicht im Hochsommer. Von Ende Mai bis Ende Juni und wieder von September bis in den Oktober ist das Wasser warm, das Wetter stabil und die Ankerbuchten sind halb so voll wie im August. Im Hochsommer wird es heiß, die Plätze vor Panarea und Vulcano werden eng, und an Land drängt sich Italiens Urlaubswelt.
Der vorherrschende Wind ist der Maestrale (Mistral) aus Nordwest. Er weht selten direkt und selten hart auf die Inseln — meist bekommst du einen angenehmen Nachmittagswind zum Segeln, während die Inseln selbst Lee geben. Zwischen den Inseln beschleunigt der Wind aber spürbar (Düseneffekt): auf den offenen Schlägen früh reffen, dann bleibt es entspannt.
Die Route, Etappe für Etappe
01Portorosa → Vulcano · ≈ 20 sm
Basis ist die Marina di Portorosa an Siziliens Nordküste, gut geschützt und ideal zwischen Capo Milazzo und den Inseln gelegen. Schon nach wenigen Stunden taucht Vulcano auf — die südlichste und die, die man zuerst riecht: Schwefel. Wir gehen an den Gran Cratere hoch, eine gute Stunde über Aschehänge, oben zischen die Fumarolen gelb aus dem Boden, und der Blick reicht über das ganze Archipel. Unten wartet der schwarze Lavastrand mit der markanten Faraglione-Felsnadel.
02Vulcano → Lipari · ≈ 5 sm
Der kürzeste Schlag der Woche führt zur größten und lebendigsten Insel. Lipari hat eine richtige kleine Stadt: die Marina Corta unter dem Burgberg, das Kastell mit der Kathedrale hoch über dem Hafen, enge Gassen, Trattorien, ein sehenswertes Archäologiemuseum. Wer will, mietet einen Roller und fährt zum Belvedere Quattrocchi, wo sich Vulcano, die Felsnadeln und das Meer zu einem der schönsten Ausblicke Italiens fügen. Abends isst man an Land — hier zum ersten Mal richtig.
03Lipari → Salina · ≈ 10 sm
Salina ist die grüne unter den Schwestern: zwei erloschene Vulkankegel, Weinterrassen, Kapernfelder. Von hier kommt der süße Malvasia delle Lipari, und die Bucht von Pollara — die Filmkulisse aus „Il Postino" — gehört zu den stillsten Plätzen des Reviers. Der Abend auf Salina ist der ruhigste der Woche: ein Glas Malvasia, die Sonne fällt hinter die Felsnadeln, und das Meer wird spiegelglatt.
04Salina → Filicudi · ≈ 15 sm
Jetzt wird es wild. Filicudi liegt weiter draußen, kaum Straßen, kaum Menschen — dafür die Grotta del Bue Marino, eine türkis schimmernde Meereshöhle, und die Felsnadel La Canna, die 70 Meter senkrecht aus dem Wasser steigt. Wir ankern unter den Steilwänden, das Wasser ist so klar, dass man den Anker am Grund liegen sieht. Schwimmen, schnorcheln, nichts tun.
05Filicudi → Panarea · ≈ 18 sm
Panarea ist die kleinste bewohnte Insel und die mondänste: weiß getünchte Häuser, Bougainvillea, ein Hauch Dolce Vita in den autofreien Gassen. Vor der Küste liegen die Felseninseln um Basiluzzo und die Bucht Cala Junco, ein Naturhafen aus der Bronzezeit mit unwirklich türkisem Wasser. Nachmittags ankern, abends ein Aperitivo an Land — und der Blick geht schon hinüber zum rauchenden Nachbarn.
06Panarea → Stromboli · ≈ 12 sm
Der Höhepunkt. Man segelt am späten Nachmittag hinüber, rundet die Insel und legt sich in der Dämmerung vor die Sciara del Fuoco — die „Feuerrutsche", eine kahle Flanke, über die der Vulkan seine glühenden Brocken ins Meer schickt. Segel runter, Maschine aus, treiben lassen in sicherem Abstand. Und dann warten. Wenn es dunkel wird, kommt das Feuer. Übernachtet wird an der Mooring vor San Vincenzo oder in der Bucht davor.
Die Aktivität sieht man am besten von See, gegenüber der Sciara del Fuoco an der Nordwestflanke — und immer bei Dämmerung oder Dunkelheit, wenn das Glühen gegen den Himmel steht. Genug Abstand zur Flanke halten (herabrollendes Material, gelegentliche Wellen), Ausguck behalten und nicht in der Fallzone treiben. Der Stromboli ist ein aktiver Vulkan; die Behörden können Zonen sperren — die aktuelle Lage vor Ort prüfen. Zwischen den Inseln beschleunigt der Wind: auf den offenen Schlägen früh ein Reff stecken.
„Wenn nach Sonnenuntergang zum ersten Mal die Lava aufleuchtet und alle an Deck verstummen — dafür fährst du hin."
07Stromboli → Portorosa · ≈ 30 sm
Der längste Schlag bringt uns zurück. Mit etwas Maestrale steht das Groß voll, die Inseln ziehen achteraus vorbei, und man hat noch einen ganzen Segeltag, bevor die Marina wieder in Sicht kommt. Wer mehr Zeit hat, schiebt einen Tag ein und nimmt Alicudi mit — die entlegenste, stillste Insel von allen.
Was es ehrlich kostet
Wir sagen dir lieber vorher, was auf dich zukommt — ehrliche Richtwerte pro Person für die Woche im Kojencharter (verbindlich bei Buchung, je nach Yacht und Saison):
Faustregel: Je größer die Crew, desto günstiger pro Person — mehr Schultern teilen dasselbe Boot. Die Achter-Crew ist der „ab"-Preis; wer's privater mag, zahlt in kleiner Runde mehr. Die Bordkasse führen wir offen — jeder sieht, wohin das Geld läuft.
So kommst du hin
Angeflogen wird Catania (CTA) oder Palermo (PMO); von Catania sind es rund 1,5 Stunden zur Marina di Portorosa. Flüge ab deutschen Flughäfen (z. B. Nürnberg oder München) gibt es je nach Buchungszeitpunkt schon ab ~135 €, im Schnitt um 250–290 € hin und zurück. Ein paar ehrliche Bausteine für die Anreise — die mit * markierten Links sind Werbe-/Affiliate-Links: buchst du darüber, unterstützt du uns ohne Aufpreis für dich.
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